Die Architektur der Körperformen, die Simon Schrieber entwirft, wird nicht von den Gesetzen der Anatomie begrenzt. Simon Schriebers Figuren haben ihr eigenes Wachstum, das von den nicht kanonisierten Regeln der freien Formphantasie bestimmt wird; die Gliedmaßen und die Körper der Gestalten entwickeln sich in Formen, die zuweilen zur Arabeske werden können. Dabei ist vor allem erstaunlich, wie gegensätzlich die Formgedanken sein können ohne dass dies als Widerspruch in der Gestaltung in Erscheinung treten würde. Simon Schrieber spielt mit vielen Erin-nerungen und Formtypen in bravouröser Leichtigkeit. Mal zeigen seine Gestalten die Einfachheit eines archaischen Idols, dann sind sie wieder künstlich und affektiert wie Figuren des italienischen Manierismus oder sie erinnern an die abstrahierte Körperarchitektur eines Henry Moore. Diese Freiheit und Leichtigkeit in der Formerfindung wird ergänzt durch die Bravour der Materialbehandlung. Simon Schrieber ist ein Meister der Marmorarbeit,seine exzentrischen Formerfindungen finden eine adäquate Realisierung in der virtuosen Materialbehandlung.

Dr. Klaus Wolbert Darmstadt