und seltsam, es entstehen keine Chimären, wenn in einem Stein ein ganz individuelles Porträt, ein schöner Frauenkopf und grazile, ausdrucksvolle Hände in einem architektonisch sich verselbständigenden Körper übergehen, wenn Extremitäten aus dem organischen Leib als Arkaden herausstehen. In allen seinen Arbeiten ist Schrieber als der Autor erkennbar, aber die Spannweite ist groß. Eine mit Recht „Landschaft“ genannte Figur aus hellgrauem Carrara, aus marmo ordinario, der dunklere Stein mit sicherem Materialgefühl für eben diese ausgesucht, hat in der Basis noch die vollen Blockgrenzen und ist damit gleichsam Plinthe und Figur in einem. Wiewohl der weibliche Akt klar dargestellt ist, ist die bewegte Oberfläche auch das Bild einer Erdoberfläche, freilich einer, wie sie im Landschaftsgarten von den ganz großen Gartenschöpfern, Lenné oder Pückler, als zweite gesteigerte Natur aus dem Boden modelliert wurde: ein Menschenleib in vegetabilischer Erwartung.

Prof. Dr. Martin Sperlich Berlin